Die Provinz Groningen (NL)

Der LF14 führt uns immer weiter nördlich Richtung Groningen, der Hauptstadt unserer nächsten Provinz, die wir durchqueren. Unser Fernradweg ist perfekt ausgeschildert und führt uns durch die schönsten Ecken. Teilweise ist er ganz neu angelegt worden an Stelle von den ursprünglich holprigen und nicht asphaltierten Feldwegen. Bedauerlich finden wir es allerdings. dass der Weg nicht durch Ortschaften führt, wo man vielleicht mal etwas einkaufen kann. So quälen wir uns mit trockener Zunge und knurrendem Magen der Stadt Groningen entgegen, die sich von weitem

Die Fahrradtrinkflaschen füllen wir noch einmal auf, und dann geht es weiter. Die Landschaft hat sich geändert. Was vorher noch Heide und Wald war, wird jetzt von Wiesen und lieblichen Kanälen abgelöst. Wir flüchten vom einen Schatten bis zum anderen. Schattige Plätze sind in diesem marschartigen Landstrich wie Oasen in der Wüste. Immerhin haben wir den heißesten Sommer aller Zeiten. Die hübschen Dörfer mit den niedlichen Häusern sind für uns willkommene Anlässe um zu pausieren. In einem Dorf mit einer wunderschönen Windmühle steht in der Sonne ein chrompoliertes Trike mit einem alten Mann auf dem Rücksitz. Er ist ganz aufgeregt und sabbert vor sich hin. Gleich geht’s los! Ein breitschultriger, kräftiger Mann mit derben Lederklamotten startet die Maschine. Mit fettem Sound verlässt das so ungleiche Paar den Ort des Geschehens. Danach ist wieder alles ruhig. Wir erfahren, dass es der Geburtstagswunsch von dem alten Mann war, einmal mit einem Trike durch die Gegend chauffiert zu werden. Wir fragen nach dem Alter des Geburtstagskindes, und die Antwort lautet: 90 Jahre!!!

Es folgt wieder ein längerer schattenloser Abschnitt. An einem freistehenden Haus flüchten wir in den Schatten. 2 andere Radler mit Gepäck halten sich ebenfalls hier auf. Wir tauschen uns aus, und dann trennen sich wieder unsere Wege. In der Nähe gibt es eine Teefabrik mit einer Teestube. Ein willkommener Anlass hier noch einmal Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Heißer Tee löscht ja bekanntlicher Weise den Durst. Die Teestube ist stilvoll eingerichtet. An den Buntglasfenstern und der Architektur erkennen wir sofort, dass dies früher mal eine Kirche war. Diese Teestube mit den unzählig vielen Teesorten oder Tee- cocktails ist auf jeden Fall ein Geheimtipp. Sie liegt 3 Kilometer von Zoutkamp,

unserem Etappenziel entfernt. Der Campingplatz liegt wunderbar zwischen zwei seeartigen Flussläufen. Heute gehen wir lecker essen. Der Ort hat eine hübsche Hafenpromenade. Mit Glück bekommen wir in dem Fischrestaurant einen Platz draußen mit tollem Fernblick über die Boddengewässer. Alle Strapazen sind vergessen! Zeitig kriechen wir in die Schlaf- säcke, denn in aller Frühe wollen wir aufstehen und die letzten 20 Kilometer bewältigen, um die 9 Uhr- Fähre nach Schiermoonikoog  noch mitzubekommen. Früh geht es dann auch los. Ein Ziegenbock

versperrt uns den Weg. Entschlossen gehen wir auf ihn zu und nur zögerlich weicht er aus. Damit wäre der Weg frei. Er schlängelt sich am Lauwersooger Meer entlang. Möwen begleiten uns und kreischen übermütig Es riecht nach Meer. Und dann kommt der große Augenblick. Die Fährstation taucht auf. Vor uns liegt das Wattenmeer im morgendlichen Licht..Geschafft!!! Wir stellen uns in die Menschenschlange, um an die Tickets zu kommen. Wenig später befinden wir uns auf Deck. Die Überfahrt dauert 45 Minuten, obwohl die Insel nur 8 Kilometer entfernt liegt. Das liegt an den Sandbänken, die immer wieder umfahren werden müssen.

Erinnerrungen werden wach. Das erste Mal war ich mit 15 Jahren hier. Ebenfalls mit dem Fahrrad . Damals hatte ich nur ein einfaches Fahrrad ohne Gangschaltung, dafür aber eine bessere Kondition. Mit einer verknitterten und vom Regen aufgeweichten Landkarte im Maßstab 1:200.000 boxte ich mich durch. Meistens ging es über Hauptstrassen. Fernradwege gab es nicht. Das hat sich in den letzten 30 Jahren gewaltig geändert. Der sanfte Tourismus, dazu gehört auch das Fahrradfahren, hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt.

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Mittlerweile gibt es in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Fernwegenetz. Es gibt mehr Fernradwege als Autobahnen. Mittels dieser ausgebauten Routen kommt man überall hin in Deutschland Darüber hinaus sind sie grenzüberschreitend mit dem Radwegenetz von unseren Nachbarländern verknüpft. Fast zu jedem Fernradweg gibt es ein Spiralheft mit Infos über den Streckenverlauf Außerdem sind sämtliche wichtige Adressen für Übernachtungsmöglichkeiten darin aufgeführt und die betreffenden  Kartenausschnitte im Maßstab 1:50000 oder 1:75000. Die Spiralheftchen erhält man in jedem Buchladen. Die Streckenführung der Fernradwege ist vorbildlich und führt den Radfahrer zu den schönsten Stellen oder auch Sehenswürdigkeiten, die das Land zu bieten hat. Mit dem Autoverkehr wird man so gut wie gar nicht konfrontiert.  In erster Linie fährt man auf ländlichen Nebenwegen, über Feldwege, Waldwege oder alte Treidelpfade. Die Beschilderung ist überwiegend gut, obwohl sie bei einigen alten  R-Fernradwegen aus den Anfängen überholungsbedürftig ist  Außer dem Fernradwegenetz gibt es noch die kommunalen Radwege; die immer mehr im Kommen sind. Sie stellen interessante Querverbindungen dar. Manchmal überschneiden sie sich auch kurzfristig mit den Fernradwegen und aus einem Schilderwald von Radwegen ist es nicht immer leicht auf dem richtigen zu bleiben. Doch in Verbindung mit einer Landkarte ist dies überhaupt kein Problem. Mehr Infos über Fernradwege erfährt man über den ADFC(Allgemeiner deutscher Fahrradclub)  www.adfc.de 

durch ihre Hochhäuser im Außenbezirk ankündigt. Wir sind ziemlich überrascht, als plötzlich der zentral gelegene Bahnhof vor uns auftaucht. Mit dem Autoverkehr sind wir nicht in Berührung gekommen. Wir besuchen die Altstadt und kommen endlich zu unserem verspäteten Frühstück. Man sagt die Universitätsstadt Groningen mit ihren Grachten sei das Amsterdam der nördlichen Niederlande. Ein bisschen übertrieben finde ich es schon, obwohl die paar Grachten, die wir gesehen haben, recht malerisch sind.

 

Fernradwege