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Auf den Höhen

der Vogesen

Colmar

Das Eccomuseum hinter uns lassend, nähern wir uns den Vogesen, die immerhin mit dem Grand Ballon eine Höhe von 1423 Metern erreichen. In der Nähe von Thann stoßen wir auf die Route de Cretes, die bei einem jeden Elsassbesuch unbedingt zum Pflichtprogramm gehören sollte. Diese 80 Kilometer lange Panoramastraße gehört zu den schönsten in Europa und verläuft über die Höhenkämme der Vogesen. Nur selten unterschreitet sie die 1000-Metermarke, und die Aussichten sind grandios. Vorraussetzung dafür ist  natürlich schönes Wetter und klare Sicht, was hier oben nicht immer der Fall ist. Die Vogesen sind in erster Linie eine Wanderregion. Ein dichtes und sehr gut ausgebautes Netz beschilderter Wanderwege durch zieht eine reizvolle Landschaft mit dichten Wäldern und saftigen Almwiesen, die teilweise alpinen Charakter hat.Tagelang kann man hier wandern ohne dabei einem Menschen zu begegnen. Nicht so an Stellen 

wie beim Grand Ballon, der höchsten Erhebung der Vogesen. Hier legen wir unseren ersten Zwischenstop ein und parken unser Womo auf dem Wanderparkplatz. Von hier aus führt ein vielleicht halbstündiger Wanderweg bis zur Spitze. Belohnt werden wir mit einer umwerfenden Aussicht nach allen Seiten hin. Bei guter Sicht sieht man in der dunstiger Ferne sogar die Alpen. 

Der Grand Ballon besticht durch seine grandiosen Aussichten in alle Himmelsrichtungen. Während sich nach Osten hin die Rheinebene bis zum Schwarzwald erstreckt, zeigen sich in allen anderen Richtungen die abgerundeten Kuppen der Vogesen, die an ein Wellenmeer erinnern. Bei gutem Wetter sieht man sogar die südlich gelegenen Alpen in der Ferne.

Die Route de Crete schlängelt sich durch eine bezaubernde Landschaft, bestehend aus Wäldern und Wiesen. Anfangs schraubt sie sich in zahlreichen Serpentinen nach oben und verläuft dann als Höhenstraße über die Kämme der Vogesen.

Wir folgen dem Lauf der Höhenstraße  und genießen die zahlreichen Aussichten. Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen! Wir passieren den ein oder anderen Liftbetrieb und folgern daraus, daß hier im Winter gerne Ski gelaufen wird. Nicht so im Augenblick! Anstelle waghalsiger Skiläufer, die irgendwelche Pisten herunterpreschen, sehen wir mehrere Drachenflieger am Himmel. Mit ihren leuchtenden Schirmen sehen sie aus wie bunte Adler, die durch die Lüfte kreisen. Tief unten im Tal glitzert der Stausee von Kruth-Wildenstein. Wir machen einen Abstecher dorthin und liebäugeln damit, ein frisches Bad zu nehmen. Doch die Trockenheit hat stark  

am Wasserreservoir gezehrt, und das schlammige Ufer könnte auch etwas schöner sein. Wir beschließen daher weiter zu fahren. Die Lust zu baden hat uns auf die super Idee gebracht, heut an einem See zu nächti- gen. Dafür geeignet scheint der Lac de Longemer zu sein, da auf der Karte ein Campingplatz am Südwestufer eingetragen ist. Doch zuerst einmal müssen wir wieder hinauf auf die Höhenstraße, die zwischen Grand Ballon und Col de la Schlucht am reizvollsten ist. Es ist schon spät am Nachmittag, als wir die Serpentinen zum See herunterfahren. Der Campingplatz mit einem Stellplatz direkt am Wasser hat sich als eine gute Idee erwiesen. Noch lange sitzen wir auf den Campingstühlen vor unserem Bus und genießen die Abendstimmung am See. 

Ein schöner Campingplatz liegt direkt am Lac de Longemer.

 Schlucht

Es geht weiter!

Anfänglich mit dicken Wurzeln durchzogen ist der Wanderweg am Col de Wettstein.

... und wir befinden uns wieder auf der Panoramastraße. Leider ist der Himmel wolkenverhangen, und dann fängt es auch noch an zu regnen. Wir verlassen die Route de Cretes und fahren wieder Richtung Süden, indem wir auf die Route de Fromage  wechseln. Der berühmte Munsterkäse stammt nämlich von hier, und es gibt eigens dafür eine touristische  Route, die an verschiedenen Käsereien vorbeiführt. Hier kann man unter anderem auch sehr gut und günstig essen. Doch das müssen wir uns zuerst einmal verdienen. Am Wettsteinpass  starten wir deshalb eine  Wanderung zum Lac Noir, einem kleinen Stausee. Der Wanderweg bis dorthin ist einer der schönsten und abwechslungsreichsten in den Vogesen. Anfänglich von dicken Wurzeln

durchzogen führt er durch einen dichten Wald in die höheren Lagen zu einem Hoch- moorgebiet mit erikafarbendem Heidekraut. Als schmaler Weg führt er schließlich durch die Wiesen über einen Höhengrad , der zu beiden Seiten abfällt. Dieses Stück 

Die Wanderung vom Wettsteinpass bis zum Lac de Noir gehört wegen der wunderbaren Aussichten zu den schönsten in den Vogesen.

ist wegen der wunder- schönen Aussicht über liebliche Vogesenhänge, kleine Dörfer und Gehöfte der absolute Höhepunkt der Wanderung. Kurze Zeit später taucht der Lac de Noir auf. Wie ein Spiegel liegt er eingebettet in einem dicht bewaldeteten Talkessel. An einem Kiosk trinken wir ‘nen Kaffee zu horriblen Preisen und treten anschließend den Rückweg an. Zu unserer Freude kommt die Sonne auch noch zum Vorschein.

 

abseits gelegenden Fermes-Auberges, den Kleingehöften, wo der pikante Münsterkäse nach traditioneller Art und Weise hergestellt wird.

Sehr reizvoll ist die Route de Fromage in der Umgebung von Munster. Diese Käseroute führt uns über die ländlichen Nebenwege zu den

Die Käsestraße

Am Bus angekommen klopfen wir die Wanderschuhe ab, und dann geht es auch schon  über die kurvenreiche Käsestraße weiter nach Munster. Da es nicht nur in hier den leckeren Munsterkäse gibt und wir keine Lust auf Trubel und Lärm haben, lassen wir die im Tal liegende Kleinstadt, die verkehrsmäßig ein Nadelöhr zwischen West und Ost darstellt, möglichst schnell hinter uns. Unser Ziel ist der Petit Ballon, eine andere imposante Erhebung in den Vogesen, abseits von der Route de

Cretes. Ein schönes Stück Vogesen erleben wir, als wir nah bei Munster in das Krebsbachtal einbiegen. Man könnte glauben, dieses schmale Wiesentälchen hätte noch nie einen Touristen gesehen. Uns fallen die zahlreichen Hinweisschilder zu den Fermes- Auberges auf, jenen landwirtschaftlichen Betrieben, wo man so günstig essen kann inclusive  selbsthergestelltem Münsterkäse. Es geht nun sehr steil nach oben, und mit jeder Serpentine mehr nähern wir uns dem Pass des Petit Ballons, unserem nächsten Womo- Übernachtungsstellplatz. Uns gefällt es hier auf Anhieb: Keine lärmenden Touristen wie am Grand Ballon, kaum Autos, keine Skibetriebe und keine Verunstaltung durch Lifte. Nur

Grandios ist die Aussicht  auf dem Petit Ballon.

Dramatische Wolkenbilder sind auf dem Petit Ballon.

das Läuten der Glocken von frei herumlaufenden Kühen. Dazu eine grandiose Sicht auf die Rheinebene, bizarre Wolkenbilder am Firmament und eine unterhalb von uns liegende Ferme Auberge. Muß ich da noch unseren nächsten Schritt verraten? Als wir später gemütlich in unserem Büschen sitzen, schnalzen wir immer noch 

mit der Zunge bei dem Gedanken an die deftige und haus- gemachte Melker- mahlzeit. War das ein Genuss! Kurze Zeit später schlafen wir, nicht zuletzt mit einem Völlegefühl im Bauch, selig ein. Das letzte, was ich noch wahrneh-

me, ist das starke Rütteln des Windes an unserem Büschen. Am nächsten Morgen tuckern wir auf der anderen Seite vom Petit Ballon wieder hinunter ins Tal. Dabei genießen wir die schönen Ausblicke auf die Orte Metzeral und Breitenbach. Weiter auf der Käseroute mit den vielen Fermes- Auberges erreichen wir schließlich zum zweiten Mal den Hauptort Munster. Von hier aus haben wir zwei Möglichkeiten, zu unserem Ziel, Kaysersberg an der elsäßischen Weinstraße zu gelangen:

Unterhalb vom Stellplatz liegt eine Ferme-Auberge.

Durch die Täler oder über die Berge! Da wir nicht mit unseren Rädern unterwegs sind, entscheiden uns für die zweite Variante und erfreuen uns noch einmal an der schönen Landschaft der Vogesen, bis es dann nach circa einer Stunde von den Höhen hinunter geht zur Weinstraße ...

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