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Irland

Das Landesinnere

Nach einem ausgiebigen Frühstück rollen wir zunächst einmal die Straße herunter bis nach Baltimore. Ach wie schön wäre das, wenn es immer nur bergab gehen würde! Tut es aber nicht, und deswegen  müssen wir auch wieder in die kleineren Gänge schalten. Doch sind die Steigungen hier bei Weitem  nicht so anspruchsvoll wie auf den Ringstraßen. Das Terrain ist leicht hügelig und hat Parklandschaftscharakter. Ein vielleicht acht Kilometer langer Meeresarm ragt weit ins Land hinein und hat  

sich in verschiedene kleinere Arme verzweigt, die irgendwann wieder zusammenkommen. Kleine Inseln und Sandbänke sind dadurch 

entstanden und machen dadurch die Landschaft zwischen Baltimore und Skibbereen ungemein interessant. Teilweise sieht der verzweigte Meeresarm wie ein Fluß aus, der sich schlangenförmig durch die Landschaft zwängelt. Oder ist es vielleicht doch eine Seenkette, die

Eine herrliche, von Meerwasser durchzogene Parklandschaft befindet sich zwischen Baltimore und Skibbereen.

Fluß, See oder Meeresarm?

wie eine Perlenschnur aneinander gereiht ist? Wir können es nicht beur teilen. In Skibbereen, der Hauptstadt von Westcork, trinken wir 

zuerst einmal einen leckeren Kaffee, bevor wir uns endgültig von der Küste verabschieden,um uns dem Landesinneren zuzuwenden. Auf einer ruhigen Straße geht es dann weiter bis nach Dummanway, einem kl. und gemütlichen Provinzstädtchen. Die Landschaft hat sich verändert, und der ein oder andere  Acker   

liegt eingebettet zwischen den grünen Wiesen. So wie auf dem Country Clare hat sich um uns eine patchworkartige Landschaft ausgebreitet, dessen Felder durch Hecken voneinander getrennt sind. Tourismus gibt es in dieser landwirtschaftlichen Region kaum. Das alles ändert sich 

Eine Meeresbucht, die so aussieht wie ein See.

aber, als wir Inchigeelagh erreichen. Dieser Ort, der aus ein paar Häusern besteht, liegt am Lee River in der Nähe des Gougane Barra Nationalparks. Ein Grund mehr, sich hier einen zusätzlichen Tag aufzuhalten. Bis zu unserem Ziel sind es noch 4 Kilometer, wobei

Patchworkartige Landschaft bei Dummanway.

Glasklar ist das Wasser des Lee Rivers.

uns der Nebenweg auf den letzten Metern noch  einmal richtig fordert. Steil windet er sich die Wiesenhänge hinauf bis dann endlich das ersehnte Hostel hinter der nächsten Biegung auftaucht . Mit einer tollen Aussicht auf den Laugh Alua und einer herzlichen Begrüßung von den aus Deutschland stammenden Inhabern werden wir belohnt. Kurze

Zeit später sitzen wir frisch geduscht vor einem gedeckten Tisch und spülen den in einer leckeren Senfsauce schwimmenden Fisch inclusive der dampfenden Kartoffeln und zartgrünen Bohnen mit einem kalten und wohlschmeckenden Guiness hinunter. Es dauert nicht lange, und da schlafen wir auch schon selig in den frisch bezogenen Betten unseres Zimmers ein. Ein toller Tag geht zu Ende!

Mitten im Grünen zwischen saftigen Wiesen liegt das Hostel von Inchigeelagh.

Am nächsten Tag beschließen wir, einen Abstecher zum Gougane Barra Nationalpark zu unternehmen. Die Landschaft auf dem Weg bis dorthin hat Mittelgebirgscharakter und erinnert mich sehr an die Eifel. Dicht bewaldet sind die Berghänge, und das Sträßchen, auf dem wir radeln, führt an einen schönen See entlang, dem Laugh Alua. So unterschiedlich kann Irland sein! Was vorgestern noch eine Fjordlandschaft in Skandinavien war und gestern mediterranen Charakter hatte, ist heute bewaldetes Mittelgebirge irgendwo  

in Deutschland. Eine alte, mit Efeu bewachsene Steinbrücke führt uns über den River Lee, der bei weitem nicht mehr soviel Wasser führt. Bis zur Quelle kann es nicht mehr so weit sein! Richtig vermutet, denn nach einer halben Stunde taucht der Gougane Barra auf. Dieser dunkle Gebirgssee, aus dem der River Lee entspringt, liegt still eingebettet in der irischen Bergwelt. Wie verzaubert schmiegt sich ein Kirchlein ans Seeufer, und steil erheben sich die grünen Hänge der Shehy Mountains aus dem Wasser. Wir haben unser Zielgebiet, den Nationalpark, erreicht! Eine kleine Asphaltstraße soll uns nun im stetigen Auf und Ab durch die

bezaubernde Berglandschaft des Nationalparks führen.Doch eine weitere Panne an Susannes Rad macht uns einen Strich durch die Rechnung. Eine der Pedalen liegt auf dem Asphalt neben dem Fahrrad. Das Gewinde von dem neu eingebauten Pedalarm passt nicht zur Pedale. In stümperhafter Manier hatte man diese mit dem

Hammer in das falsche Gewinde hereingeschlagen. Zum Glück liegt das nächste Dorf mit Autowerkstatt nicht soweit entfernt! Dort lassen wir uns von dem freundlichen Automechaniker das passende Gewinde in den Pedalarm hineinschneiden. Mittlerweile ist es auch schon spät am Nachmittag, und wir radeln, erleichtert darüber, daß die Panne doch noch behoben werden konnte, zurück zu unserem Hostel, wo es heute noch einen leckeren Wildbraten mit Pilzen und Rotkohl geben soll ...

Von einem Steinwall umgeben ist der Weg, der vom Hostel in das reizvolleTal des River Lee hinunterführt.

Direkt unterhalb von unserem Hostel liegt der Laugh Alua.

Wie verzaubert schmiegt sich das Kirchlein ans Seeufer vom Gougane Barra, der am Fuße der malerischen Shehy Mountains liegt.

Bis zu unserem Rückflug sind es noch drei Tage! Aus diesem Grund müssen wir leider das uns so lieb gewonnende Hostel verlas- sen. Unser heutiges Ziel ist Mallow, eine Stadt im Landesinneren auf dem Weg zum Shannon Airport. Doch zunächst einmal

Noch 3 Tage!

radeln wir durch das sehr reizvolle “Lee Rivertal”. Wie auf einer Perlenkette sind mehrere Seen aneinandergereiht, die durch den Lee miteinander verbunden sind.  In Macroom, einer lebhaften Provinzstadt mit Flair machen wir eine Pause, bevor uns ein schöner Nebenweg an die Ruine von Carrigadrohid Castle führt. Sehr malerisch steht sie an einer alten Steinbrücke. In Coachford verlassen wir dasTal, welches sich bis auf ein paar kleine Steigungen locker durchradeln ließ. Das ändert sich schlagartig ab hier, denn auf dem Weg Richtung Norden müssen wir eine Hügelkette nach der

Sehr malerisch liegt die Ruine von Carrigaddrohid Castle an einer Brücke.

Wie ein Bandwurm schlängelt sich der River Lee durch eine Kette von Seen.

anderen überwinden. Hoch, runter, hoch, runter! So zieht sich das hin bis nach Mallow, welches wir endlich am späten Nachmittag erreichen. Da es hier und in der näheren Umgebung

Bevor wir in Coachford endgültig das Lee Rivertal verlassen, werfen wir noch einmal einen langen Blick auf einen der zahlreichen schönen Seen.

kein preisgünstiges Hostel gibt, hatten wir Tags zuvor ein Bed & Breakfast gebucht und sind sehr angenehm überrascht als sich die Unterkunft als eine vornehme, alte Villa am Stadtrand entpuppt. Eine ebenso feine und ältere Dame führt uns zu unserem Zimmer, welches von der Ausstattung her

      Bis nach Mallow müssen wir zahl-        reiche Hügelketten überwinden.

wir uns den restlichen Tag mit Plätzchen und Kaffee versüßen. Dabei gucken wir 

Fernsehen und relaxen einfach mal. Auf eine Stadtbesichtigung verzichten

wir, denn dafür sind wir ehrlich gesagt viel zu sehr ausgelaugt ...

an eine Suite erinnert. Auf einem 2x2 Meter großen und frisch bezogenen Bett lassen

Unser Weg führt durch einen grünen Tunnel aus Blättern, Licht und Schatten.

Noch 2 Tage!

Nach einem reichhaltigen irischen Frühstück, bestehend aus Spiegelei, gebratenem Speck und anderen Unverschämtheiten bepacken wir unsere Drathesel. Die ersten acht Kilometer legen wir auf der stark befahrenen Nationalstraße zurück. Dann aber biegen wir in einen Nebenweg ein. Die plötzliche Ruhe um uns herum ist wohltuend und  Balsam für unsere Seele. An einer Kreuzung lesen wir wieder mal die Karte, um unsere Position zu orten. Es ist nicht immer leicht bei so vielen Nebenwegen, ausgerechnet den richtigen zu finden. Ein Auto tastet sich langsam heran, und der Fahrer kurbelt die Scheibe herunter. Es raschelt, und wie von Zauberhand hat er zwei warme Brötchen in der Hand und meint, daß es sich nach einer zusätzlichen  Kräftigung noch besser radeln lässt. Wir bedanken uns über die nette Geste und ernten dabei ein

wohlwollendes und freundliches Nicken. So sind sie nun mal, die Iren! Freundlich, herzlich und direkt ... Solch nette Zwischenfälle sind recht aufbauend, denn das Auf und Ab in einer überwiegend eintönigen Gegend setzt sich auch heute fort. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß wir mittlerweile, was schöne Landschaften betrifft, ganz schön verwöhnt sind. Dazu kommt aber auch die Tatsache, daß wir vom Radeln müde sind und die Motivation 3 Tage vor dem Abflug etwas nachgelassen hat. Kurz vor Ballingarry wird die Gegend wieder reizvoller. Wir durchqueren eine  wundervolle Allee. Die Kronen von

den zahlreichen Bäumen links und rechts der Straße haben sich zu einem dichten Geflecht vereinigt und bilden einen grünen Tunnel aus Blättern, Licht und Schatten. Noch 4 Kilometer, und wir erreichen unser Ziel! In dem sauberen Hostel fühlen wir uns auf Anhieb sehr wohl. Darüber hinaus befindet sich in dem gleichen Haus auch noch ein gemütlicher Pub. Muß ich jetzt noch verraten wie der heutige Abend ausgegangen ist?

Noch 1 Tag!

Unser heutiges Ziel ist der kleine Ort Sixmilesbridge. Hier begann vor circa 3 Wochen unsere schöne Rundreise durch Irland. Frühzeitig verlassen wir das Hostel und radeln zunächst einmal nach Adare. Hier war ich bereits im letzten Jahr und habe diesen Ort wegen der schönen, riedgedeckten Häuser positiv in Erinnerung. Ein paar hübsche Aufnahmen zwischen den sich drängelnden Touristen, und es geht weiter!

Schöne Fotomotive liefern die riedgedeckten Häuser in Adare.

Adare

Die Ausläufer einer großen Stadt machen sich bemerkbar. Vorsichtig jonglieren wir unsere Räder durch die häßlichen Gewerbe und Siedlungsgebiete am Rand 

von Limerick.Zwischen Baustelle, Preßlufthammer und aufgerissener Straße nähern wir uns inmitten einer stinkenden Autoschlange dem Zentrum. Schön ist die ausge- prägte Hafen und Industriestadt wahrlich nicht! Einen richtigen Stadtkern können wir auch nicht ausfindig machen. Überhaupt, die ganze Stadt scheint eine große Baustelle zu sein, denn überall  wird etwas aufgerissen oder neu gebaut. Nachdem wir den Shannon River überquert haben, wird es allmählich ruhiger. Irgendwo, an einer Tankstelle schlingen wir ein Sandwich mit Ei und Speck herunter und schlürfen anschließend einen heißen Automatenkaffee. Es wird nun wieder ländlich, und wir radeln auf den heckenumsäumten Straßen, die so typisch sind für die Umgebung hier in

Nicht ungefährlich ist die kurvenreiche und schmale Nationalstraße bei Adare.

Country Clare. Bei leichtem Nieselregen erreichen wir gegen Mittag Sixmilesbridge. Auf einer  Bank, direkt am Fluß, halten wir uns eine Weile auf, denn das Hostel öffnet erst   am Nachmittag.Wir sind glücklich und nicht zuletzt ein wenig stolz auf uns, daß wir die zum Teil recht anstrengende Radtour durch Irland so erfolgreich abgeschloßen haben. Auf der anderen Seite aber sind wir auch etwas traurig, weil wir wissen, daß spätestens morgen Abend mit dem Abflug unser schöner Urlaub zu Ende geht.

Heckenumsäumt sind die Straßen in der Nähe von Sixmilesbridge.

Letzter Tag!

Bis zum Flughafen von Shannon sind es nur noch 20 Kilometer. Da unser Flugzeug erst am frühen Abend abfliegt, halten wir uns bis gegen Mittag in dem Hostel auf. Die Seesäcke mit den darin verpackten Fahrradtransporttaschen haben wir wohlbehalten zurückbekommen und packen diese zusammen mit dem übrigen Gepäck auf die Räder. Ich mache auf der alten Steinbrücke von Sixmilesbridge noch eine Aufnahme von der imposanten Statue, die wie eine kleine Insel mitten im Fluß steht. Dann radeln wir auch schon gemütlich weiter Richtung Shannon. Dort vertrödeln wir vor einem Pub den ganzen Nachmittag mit Guiness. Das eindringliche Dröhnen von Flugzeugen erreicht uns im 10 Minutentakt. Sehen können wir sie nicht, die geflügelten Maschinen, denn der Himmel ist wolkenverhangen.  Es fängt an zu regnen. Doch was nutzt es! 

Die schöne Statue in Sixmilesbridge steht wie eine kleine Insel mitten im Fluß.

Wir müssen aufbrechen, denn bis zum Flughafen sind es noch 3 Kilometer. Auf den letzten Metern regnet es auf einmal in Kübeln, und total durchnäßt betreten wir die Flugzeughalle. Ich muß innerlich lachen, denn die ganze Zeit hatten wir in dem sonst so verregneten Irland schönstes Wetter. Doch ausgerechnet auf den letzten 500 Meter erwischt es uns voll. Vielleicht spinne ich ein bißchen, aber mir kommt es vor wie ein Abschiedsgeschenk. In dem Sinne ...

 

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