In Uitbergen, einem kleinen Dorf an der Schelde, stellen wir unseren Campingbus an der Kirche ab. Ab hier starten wir unsere viertägige Tour. Die nächste Treckinghütte steht in Gent und muss vor 19 Uhr erreicht sein. Wir müssen uns beeilen, denn es ist schon spät am Nachmittag, und vor uns liegen noch 40 Kilometer Gegenwind.

Ein unasphaltierter Treidelpfad mit tollen Pfützen führt uns dort hin. Auf der einen Seite begleitet uns die Schelde, und wir können sehen wie der Wind über ihr Wasser peitscht.

Auf der anderen Seite des Deiches dagegen beeindruckt uns immer wieder die Weite vom Flanderland, bestehend aus Pappeln, grünen Wiesen und schwarz- weißen  Kühen darauf  

Wir erreichen die Stadt

Gent

Gent könnte durchaus eine Stadt in Nordfrankreich sein. Zumindest erinnert mich die Architektur der Häuser daran.Wir fühlen uns beim Anblick der alten, verwitterten Häuser, den Stromleitungen, die sich wie ein Spinnennetz durch die engen Strassen ziehen und dem rauhen Kopfsteinpflaster um Jahre zurückgesetzt.

Für Radfahrer ist es absolut gefährlich, hier durchzuradeln. Es gibt in der Innenstadt keine Radwege, und wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht in die Spurrillen  der Strassenbahnschienen gelangen. Genauso gefährlich sind die Gullys, deren Streben viel zu weit auseinanderliegen und dazu noch in Fahrtrichtung ausgerichtet sind.
Wehe dem, der mit dem Fahrrad darin stecken bleibt! Ein Sturz wäre dann unvermeidbar.

Die engen Strassen, der hektische Verkehr und eine um die Ecke schießende Monsterstrassenbahn tragen zur Sicherheit auch nicht viel bei, denke ich mir, als ich mal wieder vorsichtig die Spur wechseln muss.

Die Beschilderung von der Flandernroute haben wir aus den Augen verloren. Sehr wahrscheinlich da, wo die Strassen aufgerissen worden sind. Deshalb verlassen wir uns auf unseren Orientierungssinn, der auch ganz gut funktioniert, denn nach kurzer Zeit haben wir den außerhalb liegenden städtischen Campingplatz erreicht. Eine gemütliche Holzhütte wartet dort auf uns...

Am nächsten Morgen regnet es in Strömen. Trotzdem sind wir in bester Laune.

Eine Regengarmasche fehlt. Stattdessen wickelt sich Susi eine Plastiktüte um den Schuh und befestigt sie mit einem Gummi.

Nasse Füße sind auf einer mehrtägigen Radtour im späten Herbst keine guten Vorraussetzungen.

Unser Optimismus wird belohnt, denn nach einer halben Stunde kommt die Sonne durch. Vor uns liegt einer der schönsten Streckenabschnitte, nämlich das 

Fast 40 Kilometer begleiten wir die malerische Leie von Gent bis nach Deinze. Ein beschilderter Radweg führt uns zu den schönsten Stellen.

Hier im Leieland wohnen die Reichen. So kann man am Ufer außer den Yachten auch so manche Luxusvilla bewundern.

Der Pfad führt uns vom Fluss weg, durchquert eine herrliche Buchenallee und geht am Golfplatz vorbei.

Leieland

Ein pinkfarbenes Häuschen mit einem liebevoll gestalteten Gemüsegarten taucht auf.

Kurz danach erreichen wir Deurle,ein kleines Dorf wie aus dem Bilderbuch.

Bekannt ist auch Sint-Martens-Latem. Während der Jahrhundertwende hatten sich bedeutende Maler in diesem Dorf niedergelassen, angelockt von den landschaftlichen und romantischen Motiven, die das Leieland zu bieten hat.

Einige ihrer Arbeiten sind im Museum in Deinze zu sehen.

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Mit dem Fahrrad durch Flandern

Teil 1

Ostflandern und sein Inland

 

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