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Das Eco Musee 

Autoroute

Gegen Mittag erreichen wir das ausgedehnte Gelände vom Freilichtmuseum in Ungersheim. Wir platzieren unseren Bus auf einem Stellplatz, der in einem schattigen Wäldchen vor dem Haupteingang liegt. Mit einer Parkgebühr von 5 Euro dürfen wir hier auch übernachten. Das ist sehr praktisch, da die Bäckerei vom Eco Museums gleich um die Ecke liegt und somit der Baguettbedarf am nächsten Morgen gesichert ist. Wir begeben uns nun zum Eingang und hören das emsige

Klappern von Störchen. Auf einem Dachgiebel haben sie ihr Nest errichtet. Es sollten nicht die einzigen sein, denn eine ganze Kolonie von diesen reizenden Vögeln hat sich hier angesiedelt und bereichert durch ihre Anwesenheit das Freilichtmuseum. Bis zur Schließung sind es nur noch vier Stunden. Zu kurz, um sich alles in Ruhe anzuschauen. Aus dem Grund holen wir uns ein 2-Tagesticket und haben nun alle Zeit der Welt. Wir hören Kirmesmusik und gehen neugierig dahin, wo die Töne herkommen. Hereinspaziert, und schon befinden wir uns mitten in einem Jahrmarkt, so wie es ihn vielleicht vor 100 Jahren gegeben haben muß. Mit viel Liebe hat man alte, bunt bemalte Fassadenwände, ausgediente Karussells oder auch Schiffsschaukeln aus verschiedenen Rummelplätzen zusammengestellt und

Das ausgediente und stilvoll schöne Kettenkarussell hat einen ehrwürdigen Platz im Eco Musee gefunden.

Auf einem Dachgiebel haben sich Störche ein Nest gebaut.

ihnen eine neue Identität gegeben. Die meisten Gerätschaften sind voll funktionsfähig und können genutzt werden. Auf Tafeln wird hingewiesen woher die verschiedenen Kirmesobjekte stammen, wie lange sie im Einsatz waren und unter welchen Umständen sie letztendlich ihren Platz hier gefunden haben. Einen komplett restaurierten und alten Jahrmarkt habe ich bisher in keinem anderen Freilichtmuseum gesehen. Ich finde, das ist eine ganz tolle Idee!   

Schön anzusehen ist diese bunte Fassade, die Jahrzehnte lang auf- und abgebaut wurde.

Überhaupt finde ich das Eco Museum einen kleinen Tick orgineller, ideenreicher und vielseitiger als andere Freilichtmuseen. So findet unter Anderem regelmäßig eine einstündliche Führung in das benachbarte Kalibergwerk statt. Eine ausrangierte Diesellock führt vom  historischen Bahnhof (1841) aus in das still gelegte Werksgelände. Auf eine Besichtigung verzichten wir, da auf den Führungen leider nur  

Französisch gesprochen wird. Stattdessen gondeln wir mit einem hölzernen Kahn bis zum  anderen Ende des Freilichtmuseums. Alles was mit Wasser zu tuen hat finden wir auf der     Strecke bis dorthin. Toll ist in dem Zusammenhang das von einem Wasserrad angetriebene Holzsägewerk von 1905, das hier an Ort und Stelle wieder zusammengepuzzelt worden ist.

Orginell ist der kleine Aussichtsturm. Aus landwirtschaftlichen Geräten, nicht mehr brauchbarem Werkzeug, morschen Leitern und Restholz hat man ihn zusammengebaut. Eine bessere Resteverwertung von übrig

gebliebenen Utensilien in einem Freilichtmuseum kann ich mir einfach nicht vorstellen. Oder hat vielleicht jemand eine bessere Idee?

Wir schlendern in den 2 Tagen kreuz und quer durch das parkartige Freilichtmuseum und besichtigen ausgiebig die Gebäude. Die über 70 Häuser waren anderswo dem Verfall und Abriss preisgegeben und wurden hier samt wurmstichigem Gebälk wieder aufgebaut. Fast puppenstubenartig sind die Räume,

Schlicht und einfach, aber doch gemütlich ist diese Bauernstube.

die wir betreten, und dennoch ist alles, was hier steht echt, inclusive dem Inventar, was liebevoll zusammengestellt worden ist. Dazu gehören auch die frisch ge-

pflückten Blumensträuße auf den Tischen. Wir können einem alten Schmied in seiner alten Werkstatt über die Schulter schauen oder auch in der Töpferwerkstatt den Werdegang einer Tonschüssel verfolgen. Orginell finde ich den Minipark mit einer Ansammlung von bepflanzten Kloschüsseln und 

Mitten im Grünen steht eine Sammlung von Klo-und Waschbecken.

Waschbecken, die, ohne daß man viel Phantasie besitzen muß, gesichtsähnliche Züge haben. Eine große Menschenansammlung und lautes Knattern machen uns neugierig. Wir begeben uns eilig zu dem Bauernhof, wo gerade im Augenblick landwirtschaftliche Maschinen aus unterschiedlichen Zeitepochen vorgestellt und demonstriert werden.

Das Eco Musee hat einige Bauernhöfe. Hier werden nicht nur landwirtschaftliche Maschinen und Arbeitsweisen aus verschiedenen Zeitepochen vorgeführt. Es wird auch erfolgreich Viehzucht betrieben, wie man auf dem Bild unten rechts sehen kann.

Zwischen Ferkeln, Hühnern und duftendem Heu.

Auf unserem weiteren Weg bleiben wir vor einem ungewöhnlichen Fachwerkhaus stehen. Ganz bewußt hat man hier auf den Lehmputz zwischen dem Gebälk verzichtet, um stattdessen das nackte Ständerwerk mit den zahlreichen Holzverbindungen zur Schau zu stellen. Als wir den Irrgarten aus Holz betreten, bemerke ich das faszinierende

Faszinierend ist das Licht und Schatten-   spiel zwischen massivem Gebälk.

Spiel zwischen Licht und Schatten und halte es auf meiner Kamera fest. Den Ausdruck von Verspieltheit vermitteln auch die plakatartigen Gesichter in dem offenen Ständerwerkhaus.

In einem grellen Blau leuchtet die Fassadenfarbe eines Hauses, das aus dem südlichen Sundgau stammt. Um die enorme Leuchtkraft dieser Farbe noch besser zu 

Plakative Gesichter vermitteln     eine gewisse Verspieltheit.

demonstrieren hat man sie hervorgehoben und nur stellenweise als Kontrast auf den unbehandelten Lehmputz aufgetragen...

Orginell finden wir auch das Museum von dem Objektkünstler Andre Bindler. Aus Ästen, Wurzeln, Brettern, Blechtonnen und anderem Krimskrams aber auch aus Sperrholz hat er seine ganz eigene Welt geschaffen. So sehen wir

uns dem Eifelturm, einer Dorfkirche, der Freiheitsstatue blauen Gemsen, bunt bemalten Hirschgeweihen, Elefanten, Kühen und anderen,teilweise skurilen Skulpturen gegenüber. Besonders gut hat mir die kleine Lokomotive aus schwarz angemalten Blechtonnen und Kinderwagenrädern gefallen.

Wir verlassen das Museum im Museum und begeben uns zum ältesten Gebäude auf dem Terrain, einem befestigten Wohnturm aus dem 12. Jahrhundert. Von hier aus haben wir eine herrliche Aussicht über das gesamte Freilicht-

museum. Wir sehen eine verschlafende Dorflandschaft mit Storchnestern auf den Giebeldächern, einen Pferdewagen, auf dem Kinder sitzen und hören das Grunzen und Muhen, welches aus dem

nah gelegenden Kleingehöft stammen muß. Im Hintergrund sehen wir Wiesen, Äcker und eine Obstbaumplantage. Hierhin begeben wir uns jetzt. Ein Lehrpfad mit mehreren Stationen und Schautafeln erzählt uns das Wichtigste über die Entwicklung des Ackerbaus und schlängelt sich derweilen  durchs Außengelände. Wer Ruhe und Entspannung sucht,

sollte diesen Pfad unbedingt einschla- gen. Auf dem Weg besichtigen wir das Lager der Köhler, welches sich in ei- nem kleinen Wäld- chen im Außenbe- zirk befindet. Am Ende vom Rund- gang erfahren wir 

Der Wohnturm bietet  eine gute Aussicht.

Obstbaumplantage im Eco Musee.

Turmartiges Haus.

noch Einiges über den Obstanbau, wäh- rend wir uns gemächlich auf der lang-  gezogenen Apfelbaumallee Richtung 

Die Andre Bindler Ausstellung

Hauptausgang bewegen. Ein erlebnisreicher und informativer Besuch geht zu Ende, und wir wissen, daß wir in dem Eco Musee nicht das letzte Mal waren. Zielstrebig fahren wir nun weiter. Wartet doch auf uns die” Route de Crete”, die sich über die Höhen der Vogesen schlängelt...

 

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