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Lübbenau

Übersicht Reiseberichte

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Heute geht es weiter mit unseren Rollern. Unser nächstes großes Ziel ist Dresden. Auf dem Weg bis dorthin werden wir in Lübbenau übernachten. Diesen wunderschönen Ort habe ich schon einmal besucht. Er liegt mitten im Spreewald, und von hier aus kann man tolle Kanutouren unternehmen. Der Campingplatz dort verleiht

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unter anderem auch Canadier und Kayaks. Eine zusätzliche Abwechslung in unserem Program könnte nicht schaden, denke ich mir, während wir über die Hauptstraße nach

Wohin man auch schaut, Wasser überall! Der große Müggelsee liegt hinter uns, und immer wieder taucht die Spree auf, die sich munter durch die Landschaft schlängelt und den ein oder anderen See dabei durchquert. Wir passieren die Tore von  Erkner und lassen den Berliner Großraum nun endgültig hinter uns. Es wird wieder ländlicher. Ein kleiner See mit einer Schwanenkolonie darauf bringt meinen Roller zum Stehen. Ich muß grinsen, denn diese edlen Tiere

Köpenick brettern. Viele schöne Häuser stehen hier. Leider fehlt uns die Zeit für einen Altstadtbesuch, denn wir haben noch so viel vor. Auch südlich von Berlin warten eine Menge Seen auf uns.

erinnern mich an die Zeit, wo ich vor ihnen so große Angst hatte. So sehr, daß ich mit meinem vollbeladenen Boot 100 Meter vorher ausgebootet bin, es dann fluchend über Land an ihnen vorbeigezogen habe um letztendlich 100 Meter dahinter wieder einzubooten. Heute würde ich mitten durch diese Schwanenkolonie paddeln. Allerdings immer noch mit leichtem Herzklopfen und einem “Vater unser” auf den Lippen. Eine Kirche taucht im Grünen auf. Sie gehört zu der

Eine Schwanenkolonie tummelt sich im Wasser und bringt meinen Roller zum Stehen.

Ortschaft Schlepzig und ist ein echtes Kleinod. Schon alleine ihr Äußeres sieht interessant und eigenwillig aus. Das Hauptschiff ist im Fachwerkstil gebaut und mit einem roten Ziegeldach abgesetzt. Der Kirchturm dagegen besteht komplett aus Holz und einer verschieferten, grauen Kirchturmspitze. Alles total unterschiedliche Komponenten. Als wenn man dieses Gotteshaus aus Baumaterialien bunt zusammengewürfelt hätte; und denoch sieht die Kirche in ihrer Ganzheit harmonisch aus. Der Hammer aber ist, wenn man das Innere der Kirche betritt. Nicht etwa weil hier Sacralkunst in unermäßlichem Wert zu bewundern ist, sondern eher die harmonische und freundliche Farbgestaltung im Inneren des

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Hauptschiffs fasziniert mich. Fast puppenstubenartig ist die Aus- strahlung im Inneren. Das habe ich bisher in noch keiner anderen Kirche gesehen. Die meisten katholischen Gotteshäuser wirken eher bedrohlich  oder sie sind so mit Prunk ausgestattet, daß es fast schon dekadent auf mich wirkt. Nicht so hier! Wir haben Glück, denn die Türe zum Glockenturm steht offen. Das lassen wir uns nicht entgehen und steigen die knarrenden Stufen der Eichentrep- pe nach oben. Dabei können wir die Kirchenglocke und ihren zahn- rädrigen Mechanismus bewundern. Die Schlitze in der Holzwand lassen einige schöne Bildausschnitte von dem Storchendorf zu. Im Hintergrund sehe ich die Brauerei mit dem Biergarten und den Stühlen im Grünen. Das ist unser nächstes Etappenziel! 10 Minuten später lassen wir es uns deshalb genau an dieser Stelle gut gehen. Hier beginnt der “Untere Spreewald”. Die Spree verzweigt sich ab

hier in mehrere Arme, und die kilometerweiten Wälder und Felder werden von romantischen Kanälen durchzogen, die größtenteils durch sumpfiges Feuchtgebiet führen. Im Vergleich zum “Oberen Spreewald” ist es hier noch etwas uriger und einsamer. Ganz anders in dem touristischen Lübbenau, wo wir auf dem Campingplatz unsere kleinen Zelte aufbauen. Mit den Rollern besuchen wir dann anschließend noch das Spreewalddorf Leipe, welches aus mehreren kleinen Inselchen besteht, die mit Holzbrücken untereinander verbunden sind. Mir fallen die zweisprachi- gen Ortsschilder auf. Der Grund dafür liegt darin, daß hier in der Oberlausitz noch Sorben leben. Eigentlich stand morgen eine eintägige Kanutour auf dem Programm, doch bei einem Bier teilt  mir Heinz mit, daß er am nächsten Tag wieder nach Hause fahren möchte. Er hatte bereits in Berlin Andeutungen deswegen gemacht. Schade! Ich beschließe die Rollertour alleine fortzusetzen. Schließlich wartet doch noch Dresden und Prag darauf, erobert zu werden! Die Kanutour über die Kanäle werde ich ein anderes Mal unternehmen, zumal ich vor 2 Jahren schon einmal hier gepaddelt war, und der wunderschöne Spreewald mir von daher nicht ganz unbekannt ist.

In der Nacht herrscht Unwetter über Lübbenau. Im Radio war es angekündigt worden. Die Äste von den umliegenden Bäumen ächzen verdächtig laut und es donnert gewaltig. Im Hintergrund heulen Sirenen. Bestimmt ist der Blitz irgendwo eingeschlagen! Der Regen peitscht unerbittlich gegen meine Zeltwand. Es ist so stürmisch, daß auf einmal der Reißverschluß vom Zelt kaputt geht. Laut flattert die Zeltaußenwand im Wind. Mit einem Hering fixiere ich sie notdürftig, und mit 2 Sicherheitsnadeln hefte ich den  Reißverschluß wieder zusammen. Erst früh am Morgen schlafe ich ein. Dementsprechend spät wache ich auf. Heinz hat sich bereits vom Acker gemacht, und

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ich stopfe mein nasses, leicht lädiertes Zelt in den Seesack. Auf einem matschigen Feldweg schlidere ich slalomartig zwischen zahlreichen Schlaglöchern. Sie sind zum Teil mit Regenwasser

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gefüllt und sehen aus wie kleine Spiegel. Darin erkenne ich blauen Himmel und weiße Wolken. Eine alte Bauernregel besagt daß nach Regen Sonnenschein folgt, und genau das ist eingetroffen. Mit der Sonne im Gesicht rolle ich weiter Richtung Süden mit dem Ziel Dresden. Ich passiere einige Seen. Sie gehören zu der Lausitzer Seenplatte. Hier wurde damals im großen Stil Braunkohle abgebaut.

Die Lausitzer Seenplatte war einst Braunkohleabbaugebiet

Zeuge einer ehemaligen Industrielandschaft ist dieser alte Wasserturm am Straßenrand.

Übrig geblieben sind die zahlreichen Baggerlöcher auf einer Fläche von circa 100 Quadratkilometern verteilt. Diese sind gefüllt mit Grundwasser und bilden die größte künstliche Seenplatte Europas. Hier wird vielleicht einmal in Jahrzehnten ein weitläufiges Erholungsgebiet entstehen. Für den Freizeitsport freigegeben sind im Augenblick nur drei von den Seen. Das Wetter hält sich, obwohl die ein oder andere dunkle Wolke am blauen Himmel auftaucht. Getreidefelder, kilo-

Kilometer davon entfernt. Ein Kanuvereinsgelände, direkt an der Elbe stromabwärts in einem kleinen Weinort gelegen. Hier möchte ich mein nasses Zelt aufbauen. Am äußeren Stadtring von Dresden besorge ich mir noch etwas Zwirn in einem Krimskramsladen, um damit später den Zeltreißverschluß endgültig zusammen zu nähen. Ich habe nämlich noch einen zweiten Zeltausgang, den ich nutzen kann. Mir fallen die vielen Polizeiwagen auf, die mir entgegen kommen. Von einem Passanten erfahre ich, daß genau an diesem Wochenende das alljährliche Stadtfest in Dresden-Neustadt stattfindet. Es ist berüchtigt, weil dabei

meterlang, bestimmen nun wieder das Landschaftsbild. Dazwischen im netten Kontrast, grüne Wälder. Das alles in einer welligen Landschaft eingebettet. Bis nach Dresden ist es nicht mehr so weit. Mein heutiges Ziel liegt sieben

Feld und waldreich ist die Landschaft auf dem Weg nach Dresden.

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schon Massenschlägereien und Kravalle stattfanden. Ich erinnere  mich schwach an eine Fernseh- übertragung im letzten Jahr hiervon. Noch bevor ich meinen Zeltplatz erreiche, weiß ich bereits, wo ich heute abend sein werde, nämlich in Dresden- Neustadt auf dem  Straßenfest. Na dann !!!

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