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Das Paddeln im Winter hat seinen eigenen Reiz. Ich finde die Stille um mich herum am Faszinierensten .  Vereinzelte Geräusche, wie das Knacken eines Astes oder das brechende Eis am Ufer wirken dann dreimal so intensiv.

Der Frost verwandelt die nassen Taue vom Boot in lange, krumme Stöcke, mit denen man fechten kann. Der sonst so geschmeidige Stoff vom Aussenzelt fühlt sich an wie Pergament, und an den Zeltschnüren hängen unterschiedlich lange Eiszapfen, aufgereiht wie Orgelpfeifen. Selbst der Wasserkanister im Zelt ist am anderen Morgen zu einem viereckigen Eisklumpen gefroren.

Wer aber jetzt denkt, dass ich bei solchen Extremtemperaturen doch eigentlich frieren müsste, der täuscht sich. Das einzig Kalte bei mir sind die Füße, die während des Paddelns den ganzen Tag in Ruhestellung ausharren müssen. Auch eine Isomatte im Boot richtet dagegen nicht viel aus.

 

Behaglicher dagegen geht es später im Zelt zu.

Wenn der Spirituskocher erst einmal brennt, dann verteilt sich die Wärme im ganzen Zelt. Die gemütlichen Kerzen tuen dabei ihr Übriges.

Es wird gekocht, gegessen und getrunken. Die Zeltabende im Winter sind sehr lang, da es schon um 16.30 Uhr nachmittags dunkel ist.

Wenn der Kocher im Zelt nicht mehr brennt, wird es sehr schnell kalt. Doch kein Problem, wenn man einen vernünftigen wintertauglichen Schlafsack und eine gute Isoliermatte besitzt.

Die Nacht bricht herein, und ich schlüpfe noch einmal aus meinem Zelt

 Es ist Vollmond, und alles um mich herum wirkt auf einmal  mystisch und unwirklich.

Die Hase hat sich in einen silber leuchtenden Märchenfluss verwandelt, und die hohen Pappeln im Hintergrund sehen aus wie Geisterhände.

Aus der Ferne sieht mein Kuppelzelt aus wie eine grünlich schimmernde Raumschiffkapsel.

Es ist das Kerzenlicht im Inneren, welches durch den dunkelgrünen Zeltaussenstoff schimmert.

Rauhreif überzieht am nächsten Morgen die Wiesen. Nur das grüne, frostfreie Rechteck neben der Traktorenspur lässt erahnen, dass hier ein Zelt gestanden haben muss.

Kurz vor Haselünne liegt direkt am Fluss ein wunderschöner, alter Wacholderhain. Eine Wanderung durch dieses Naturschutzgebiet ist lohnend. Doch Vorsicht, hier laufen schottische Hochlandrinder frei herum.

Die letzten 30 Kilometer auf der Hase sind am Schönsten. Ab Haselünne mäandert der Fluss noch einmal in unzähligen Schleifen, bevor er in Meppen endgültig in die Ems mündet.

Sandiges Ufer und sauberes Wasser laden im Sommer zum Schwimmen und Piknicken ein.

Das freie Zelten ist in den letzten Jahren leider auch hier immer mehr eingeschränkt worden.

 Trotzdem gibt es noch ein paar tolle Biwakplätze an der Hase wie zum Beispiel in der Nähe von Lehrte.

Von einer besonders romantischen und abwechslungsreichen Seite zeigt sich  die Hase auf den letzten 30 Kilometern.

Geestrücken, Sandbänke und viel Wald prägen die Flusslandschaft.

Der Fluss macht hier sehr viele Schleifen, und man weiß nicht was einen hinter der nächsten Biegung erwartet.

In Meppen mündet die Hase in die Ems. Hier beende ich meine winterliche Tour.

An dem Bootssteg vom Kanuverein Meppen ziehe ich meinen Canadier aus dem Wasser.

Bevor ich mich wieder der Zivilisation zuwende, gehe ich noch einmal zum Bootssteg, um von der Hase Abschied zu nehmen.

Ich bedanke mich für die drei schönen Tage, die sie mir geschenkt hat...

...und kehre ihr dann endgültig den Rücken zu.

Winterliche Kanutour auf der Hase

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