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Dresden

Übersicht Reiseberichte

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Früher wie erwartet  habe ich mein Zelt auf dem Kanuvereinsgelände an der Elbe aufgebaut, mich geduscht und umgezogen. Also nichts wie weg und auf zum Straßenfest in Neustadt, jenem berüchtigten Stadtteil von Dresden, den man vergleichsweise mit Kreuzberg in Berlin vergleichen kann. Über Kopfsteinpflaster führt mich mein Navi gezielt dorthin, wo der Mop am Toben ist. Das Stadtviertel ist systhematisch von der Polizei abgeriegelt worden. Überall stehen

Mannschaftswagen mit bewaffneten Polizisten in Bereitschaft. Ein wenig furchteinflößend und ehrlich gesagt übertrieben finde ich es schon. Schließlich handelt es sich um ein Straßenfest und nicht um eine Demonstration von Links oder Rechtsradikalen. Nachdem ich meinen Roller sorgfältig abgeschlossen habe,

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passiere ich die Kette in Grün und bin begeistert  vom ersten Augenblick an. Ich war ja schon auf einigen Stadtfesten, aber dieses hier gefällt mir am Besten. Meistens sind es ja die Stadtväter, Politiker oder Vereine, die irgendwelche Stadtfeste organisieren und durchführen. Nicht selten unterliegen diese einer gewissen Zensur und wirken irgendwie bieder und steif auf mich. Nicht so in Neustadt! Hier sind es die Anwohner, die das Straßenfest mit einer ordentlichen Prise Improvisation

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organisieren. Wo am Werktag die Straßen- bahn über das Kopfstein rattert, hat man einen Berg Kartons ausgekippt. Daraus bauen die Kinder Häuser, Türme und Kathedralen. Auf den Bürgersteigen ist feiner Spielsand ausgeschüttet worden. Bunte Förmchen liegen überall herum, um damit Kuchen zu backen. Damit er auch die nötige Festigkeit erhält, hat man eine große Blechwanne mit Wasser herausgestellt, denn Sand und Wasser ergeben einen herrlichen Teig. Komplette Wohnzimmereinrichtungen haben die Anwohner auf die Straße herausgestellt, um

sich hier auszubreiten. Ich schmeiße mich in einen Omasessel mit Eselsohren, und sofort bietet mir jemand aus der gemütlichen Runde, die sich an einem Wohnzimmertisch plaziert hat, ein Flaschenbier aus dem Kühl schrank an, der natürlich mitten auf der Straße steht. Aus den Fenstern  und Türen hat man Stromkabel bis nach draußen verlegt. Diese münden meistens in irgendwelche Verstärker, die wiederum mit gigantisch großen

Musikboxen verkabelt sind. Daraus kommt fetzige Musik. Zahlreiche Amateurbands spielen vor den alten verwitterten Hausfassaden ihre Musik. Ich habe an die 30 Bands gezählt. Es ist eine Geräuschekulisse, die echt nach Strassenfest klingt. Ich muß schmunzeln. Von einem Balkon ranken 3 Gartenschläuche nach unten. Dahinter stehen 3 hübsche Frauen in Hotpants und bieten heißen Telefonsex durch den Schlauch für 2 Euro an. Auf einem Transparent, das quer vor die Hausfassade gespannt ist, steht, daß Uniformierte 5 Euro zahlen müssen. Geld kann man in ein Eimerchen hereinschmeißen, welches mit einem Strick zum Balkon hochgezogen wird. Echt Klasse! Ideen muß man haben! Erst am späten Abend schwinge ich mich auf meinen Roller, der geduldig die ganze Zeit  auf mich gewartet hat. Mit einem leichten Dröhnen in den Ohren rolle ich zurück zu meiner Unterkunft aus Stoff. Für mich steht fest: Das war das beste und orginellste Straßenfest, was ich bisher erlebt habe.

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Die Straße wird zum Kinderspielplatz.

Das Wohnzimmer für Jedermann ist auf der Straße.

improvisierter Biergarten im Grünen.

Die Straße wird zur Bühne.

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Die bezaubernde Altstadt von Dresden.

Dresdener Liebfrauenkirche

Der Fürstenzug Dresden

Nach einer ruhigen Nacht ohne Straßenfestärm krabbele ich aus dem Zelt und setze mich ans Wasser. Mit einer dampfenden Tasse heißem Kaffee lasse ich den heutigen Tag ruhig angehen und starre sinnierend auf die Wasseroberfläche der träge dahinfließenden Elbe. Ein älteres Pärchen gesellt sich zu mir, und wir kommen ins Gespräch. Sie verraten mir, daß sie sich gleich mit ihrem Faltboot auf die große Reise begeben wollen, indem sie die Elbe stromabwärts bis zur Nordsee herunter paddeln. Einen Monat haben sie Zeit dafür. Ich wünsche den Beiden noch viel Glück und schwinge mich kurze Zeit später auf meinen Roller. Heute ist ein Stadtbummel durch die Altstadt von Dresden angesagt.

Die Strecke ist zunächst einmal die gleiche, die ich gestern gefaren bin. Von Neustadt aus führt mich die mehrbögige Augustusbrücke über die Elbe nach Dresden. Ich steuere das Touristikbüro zielstrebig an, und bereits kurze Zeit später schlendere ich mit einem Kleinstadtführer bewaffnet durch die Straßen und Gassen der Altstadt. Über den  Reichtum dieser Stadt bin ich überrascht. Unsummen an Geldern muß für die Grundsarnierung der alten Gebäude ausgegeben worden sein. Ich glaube, daß Dresden eine Vorzeigestadt werden soll. Dagegen sind die Städte bei uns im Westen nur Dreck, und ich denke dabei an Oberhausen, Bochum, Dortmund, Duisburg oder auch an Köln.

Sämtliche Pfeiler, Bögen, Decken und Wände sind  mit einem Strukturputz überzogen. Vom Küster erfahre ich, daß nach dem 2. Weltkrieg zahlreiche Sarnierungsarbeiten an der

Auf meinem Rundgang besuche ich unter Anderem die Kreuzkirche und bin begeistert von den einfachen und klaren Strukturen in ihrem Inneren.

als der bedeutenste barocke, protestantische Kirchbau in Deutschland. Im 2.Weltkrieg fiel die komplette Kirche aus dem Jahre 1734 in sich zusammen. 10 Jahre dauerte der archeologische Neuaufbau dieses Gebäudes, der mit der Weihe im Oktober 2005 sein Ende fand. Im Augenblick findet eine Messe statt. Deswegen kann ich ihr Inneres nicht besichtigen. Das verwahre ich mir für ein anderes Mal. Stattdessen schlendere ich weiter Richtung Elbufer und betrete die Brühlsche Terrasse. Dieser ehemalige Lustgarten wird auch “ Balkon Europas” genannt und ist zugleich das letzte verbliebene Stück Stadtmauer von Dresden. Mit dem ehemaligen Ständehaus und Zeughaus im Rücken ( Heute sind hier Museen untergebracht) genieße ich den Blick über den Fluß. Figurengruppen schmücken die großzügig angelegte Freitreppe, die mich anschließend zum Schloßplatz bringt und somit wieder ins historische Zentrum Dresdens. Auf dem Weg zum Zwinger, dem nächsten großen Highlight, fällt ein beeindruckendes historisches Kunstwerk auf. Es ist der Füstenzug. Auf 24.000 Porzellanfliesen ist an der Fassade des Wettinischen Fürstenhauses ein überlebensgroßer 101 Meter langer Reiterzug dargestellt. Vor mir taucht nun

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Der Zwinger

eines der  bedeutensten Meisterwerke des europäischen Barock auf. Es ist der Zwinger von Dresden. Eine Besichtigung dieser imposanten und prunkaufwendigen repräsentativen Anlage mit dem Kronentor, den 

zum Touristikbüro. Ich sehe das mächtige Gebäude der Semperoper ganz in der Nähe. Im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut zählt sie zu den schönsten Opernhäusern der Welt. Ich blättere in dem kleinen Stadtführer nach und lese, daß sich auch im Inneren die Semperoper von aufwendiger Schönheit zeigt. Alle Räume und Gänge sind reich mit Gemälden und Stuckarbeiten verziert. Der Zuschauerraum bietet im Parkett und auf vier

Rängen Sitzplätze für circa 1300 Besucher. Die Akustik ist an jedem Platz hervorragend und soll selbst die der Mailänder Scala übertreffen. Ich verzichte allerdings auf eine Besichtigung, denn es ist schon spät am Nachmittag, und ich sehne mich nach einem leckeren Essen und einem Gläschen Wein dazu. Zu diesem Zweck fahre ich wieder  zurück in den beschaulichen Weinort Kötitz, wo ich mein Lager aufgeschlagen habe. Morgen wede ich  mit mei- nem Roller einen Ausflug in die Sächsische Schweiz unternehmen. Ich freue mich schon darauf!

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 Kreuzkirche

Kreuzkirche vorgenommen werden mußten. Da das Geld knapp war, hat man einfach sämtliche ausgebesserten und geflickten Stellen mit einem einheitlichen Putz überzogen. Ich finde es gelungen, da zum Einen die klaren Strukturen im Inneren der Kirche noch besser zur Geltung kommen und zum Anderen die Kirche  durch den Putz freundlich, angenehm und hell auf mich wirkt.

Echt gelungen! Ich passiere die Liebfrauenkirche. Dieses herrliche Gebäude ist ohne Zweifel das bekannteste Wahrzeichen von Dresden. Mit einer Höhe von knapp 95 m und der  größten freitragenden Steinkuppel nördlich der Alpen gilt die Liebfrauenkirche 

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Am nächsten Tag breche ich deshalb schon früh auf, denn meine Rollertour durch das Erzgebirge ist immerhin 150 Kilometer lang. Außerdem steht noch eine kleine Wanderung auf dem Programm, nämlich im Elbsandsteingebirge an der Bastei. Diese bizarre Felsenlandschaft ist auch mein erstes Etappenziel. Zielstrebig fahre ich mit meinem RollerRichtung Tschechische Grenze. In Dresden überquere ich die Elbe gleich zweimal, und schon bald danach verlasse ich das Elbtal und schraube

mich mit 30 Stundenkilometer in die Höhe. Ich habe die Ausläufer der Sächsischen Schweiz erreicht und ent- decke das erste Hinweisschild, welches mich zu der Bastei hinführt. Diese malerische Felspartie gehört zu den Haupattraktionen in der sächsichen Schweiz. Eine Steinbrücke mit mehreren Bögen verbindet die einzelnen Felsformationen. Damals war diese für den Tourismus angelegte Brücke noch aus Holz. 1851 wurde sie wegen des stetig steigenden Besucherverkehrs durch die noch heute bestehende sandsteinernde

Die Bastei

Brücke ersetzt. Sie hat eine Länge von 77 Meter und überspannt mit sieben Bögen eine 40 m tiefe Schlucht. Von der Bastei fällt das schmale Felsriff über 194 m steil zur Elbe ab und bietet eine weite Aussicht ins Elbtal und über das Elbsandsteingebirge. Ich genieße

die Aussicht vom Sandsteinplateau auf das Elbtal. Die Tafelberglandschaft im Hintergrund könnte auch als Filmkulisse für einen Dinofilm durchgehen. Mit etwas mehr Zeit würde ich gerne einmal durch die “Sächsische Schweiz”

wandern. Im weiteren Verlauf meiner Tagesrundtour per Roller bekomme ich nur einen kleinen Eindruck  von der Vielfalt dieser Landschaft mit. Felsreviere mit bizarren Formationen stehen im Wechsel mit Ebenen, Schluchten und Tafelber-

gen, eingebettet in dem tiefen Grün ausgedehnter Wälder. Teilweise erinnert mich diese Landschaft an das Müllertal in Luxemburg. Einfach toll! Genial zum Wandern!

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Die Sächsische Schweiz und das Elbsandsteingebirge besticht durch  Formvielfalt auf engstem Raum.

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Auf dem Rückweg nach Dresden halte ich mich nur noch auf stark befahrener Bundesstraße und direktem Weg. Die vielen Autos, die mich überholen, stören mich nicht, denn ich bin in Gedanken immer noch auf den herrlichen Nebenstrecken der sächsischen Schweiz. Heute gehe ich früh schlafen, denn morgen fahre ich Nonstop durch bis nach Prag, meinem nächsten Etappenziel.

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Blick auf die Elbe

Pavillions, dem Nymphenbad und den vielen Steinmetzarbeiten wie Putten, Bögen und Säulen ist ein absolutes Muß! Etwas ausgepowert und überwältigt von den vielen Eindrücken begebe ich mich nach 3 Stunden wieder

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